Chamorga – Bis ans Ende der Welt

Es gibt einige Orte, die als „das Ende der Welt“ betitelt werden. Meist schwingt diesem Ausdruck eine gewisse Negativität mit. Kein Wunder: Normalerweise assoziiert man damit Abgeschiedenheit, Langeweile, Einsamkeit. Keine sonderlich positiven Attribute. Doch macht man sich an einem sonnigen Tag auf nach Chamorga, dann fühlt man plötzlich etwas ganz Anderes: Frieden.

Von La Laguna aus erreicht man über die Carretera TF-13 die Ortschaft Las Mercedes, welche sich an den südlichen Rand des Anaga-Gebirges schmiegt. Mit etwas über 1.000 Einwohnern ist der Vorort von La Laguna eher ein verschlafenes Dörfchen, welches als Eingangstür zum „Parque Rural de Anaga“ dennoch eine gewisse Bedeutsamkeit aufweist. Auf der Carretera TF-12 geht es gen Norden. Die TF-12 ist eine schmale Bergstraße, die über die höchsten Bergrücken des Gebirges führt, vorbei an Felsformationen und tiefen Schluchten, teils hoch über dem blassgrauen Wolkenmeer.

Am Mirador de Jardina hat man einen wunderschönen Blick über La Laguna.

La Laguna, die Universitätsstadt und Bischofssitz, die schönste historische Altstadt der Insel, wie es heißt.

Mirador Jardina Anaga
Vom Mirador de Jardina hat man einen wunderschönen Blick auf Teile von La Laguna.

Cruz del Carmen ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Anaga-Gebirge. Unter anderem befindet sich hier der Bosque de Las Mercedes, der seinen Namen wie sich erahnen lässt der Ortschaft am Fuße des Gebirges verdankt. Hier schieben sich mal mehr, mal weniger dichte Wolkenberge durch die Baumwipfel, wabern über die Straße wie Rauch und selbst an sonnigen Tagen blickt man vom Mirador meist nur auf die Wolkendecke herab. All dies wirkt zwar beim ersten Besuch nicht sonderlich einladend, strahlt aber beim Betreten des Waldes eine ungewohnte, traumhafte Ruhe aus.

Willkommen im „Märchenwald“.

Mercedeswald La Laguna
Der Bosque de Las Mercedes („Mercedeswald„) ist einer der schönsten Wälder der Insel und lädt zu Wanderungen ein.

Weiter auf der TF-12, vorbei an den Abzweigungen nach Roque Negro und Afur im Norden und Los Catalanes im Süden, passiert man Las Casas de la Cumbre: zu Deutsch ganz einfach „die Häuser des Gipfels“. Hier leben rund 140 Menschen auf fast 800 Höhenmetern. Weiter folgt man der Bergstraße bis fast nach El Bailadero. Hier muss man sich entscheiden: Die TF-134 führt in die mit knapp 700 Einwohnern größte Population des Gebirges, die Ortschaft Taganana, und malerisch an der Küste entlang, vorbei an schroffen Felsen und einsamen Buchten. Im „La Venta de Marrero“ in Benijo kann man herrlich frischen Fisch und kanarische Spezialitäten speisen, mit einem atemberaubenden Blick auf die Küste.

Playa de Benijo Anaga
Der Nordwesten beeindruckt mit Steilküsten und einsamen Stränden.

Die gut ausgebaute TF-12 führt von El Bailadero bis hinunter nach San Andrés, am wunderschönen Teresitas-Strand. Die TF-123 führt bis nach Chamorga, dem wohl einsamsten Dorf Teneriffas.  Chamorga ist zwar nur 36 km von La Laguna entfernt, für diese Strecke muss man dennoch über eine Stunde Fahrzeit einplanen. Nur noch rund 50 Einwohner leben in den weiß getünchten Häuschen. Über die TF-123 kämpfen sich nur die wenigsten Touristen durch das Gebirge. Nur die besonders Naturverbundenen und die Wanderer schlagen für gewöhnlich den Weg nach Chamorga ein.

Dabei ist Chamorga der Inbegriff für das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“.

Hierher fährt man nicht, um Anzukommen, sondern um zu Fahren. Die schmale, kurvige, teils steile Straße ist kaum befahren, schlängelt sich durch Wälder mit niedrigen Nadel- und Laubbäumen. Die Baumkronen bilden eine Art Tunnel, durch den die Sonne blitzt und so eine traumhafte Atmosphäre schafft. Die Ruhe und Schönheit der Landschaft ist faszinierend. Ist man einmal in Chamorga angekommen, fühlt man sich wie in ein anderes Jahrhundert versetzt. Und dann weiß man auch plötzlich, dass „das Ende der Welt“ auch eine sehr positive Bedeutung haben kann.


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